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Gedicht zur Weihnachstfeier 2001 von Beate Lehmann
Habt ihr schon einmal den Begriff "echte Fliegerfrau" gehört? Bis vor ein paar Wochen wußte ich gar nicht, daß es dieses Wort
überhaupt gibt, doch man hat mich eines Besseren belehrt:
Echte Fliegerfrauen, daß sind nicht die Frauen die selberfliegen, sondern jene Frauen die von ihrem Mann voll in sein Modellflughobby
eingebunden werden. Äußerlich unterscheiden Sie sich nicht von anderen Frauen, doch an ihrem Tun und Handeln erkennt man die echte Fliegerfrau.
Diese Frauen wissen nicht nur, daß ihr Mann einen
Motorflieger in der Farben rot/weiß fliegt; nein echte Fliegerfrauen, die wissen das ihr Mann eine rot/weiße Pits mit zwei Flügeln fliegt.
- Spannweite 178 cm - Rumpflänge 119 cm - 8 Servos
- 60 Kubik - Fluggewicht 9,5 kg - Luftschraube 23/12 Kohlefaserpropeller - Gesamtflächeninhalt 73,5 Quadratdezimeter - Flächenbelastung 90,3 g je Quadratdezimeter - Frequenz 188.
Echte Fliegerfrauen, die sind mit Leib und Seele dabei, wenn ihr Mann sein neustes Modell baut. Sie setzt sich zwar nicht neben den bauenden Luftsportler, doch wenn Hilfeschreie aus dem
Spielzimmer kommen, glänzen sie mit sofortiger Anwesenheit und viel Willen beim bewältigen der Aufgaben die beim Bau des Modells auftauchen.
Sie bügeln die Folie auf das Flugmodell, schneiden mit
der Nagelschere die Kabinenhaube aus und opfern ihr letztes Tesa-Film damit der Mann seine Querruder am Modell befestigen kann. Sie rühren Epoxy in den guten Tupperdosen an um das Servobrett an den Rumpf
zu kleben und schneiden mit dem elektrischen Brotmesser den Styropor. In einem Satz gesagt, sie bewältigt alle kleinen und großen kniffeligen Arbeiten die der Erbauer nicht so schätzt.
Fliegerfrauen die gerade nicht mit tatkräftiger Hilfe zur Seite stehen, unterstützten ihren Mann in der Weise, daß sie sich wochen und monatelang allabendlich gerne den Fortschritt des Modells anhören.
Sie bewundern die jeweiligen Problemlösungen beim sägen der Rumpfspanten, schleifen der Flächen, beim Einbau der Servos, der Einstellung des korrekten Motorzuges, beim löten des Hecksporn, aufhängen des
Fahrwerkes, konfektionieren der Querrudergestände, sowie den Problemen beim aufkleben der Servoschachtabdeckungen.
Dabei macht sie ein schlaues Gesicht und tut so als ob sie alles versteht,
schließlich ist sie eine echte Fliegerfrau.
Wenn dann sein neustes 200,00 Mark Modell endlich fertig ist, wird an einem warmen, etwas bewölktem Sonntag der Erstflug zelebriet. Beim obligatorischen
Bestaunen des Flugzeugbabys der Flugkollegen auf dem Sportplatz, hält sich die gewissenhafte Fliegerfrau zurück, ihre Aufgabe ist erst einmal getan.
Sie setzt sich nun in eine Ecke des Flugplatzes
liest ein Buch oder kocht Kaffee für die Helden der Lüfte.
Doch die echte Fliegerfrau weiß auch hier, es können unvorhersehbare Dinge passieren. Was ist wenn sich der Flieger ihres Mannes in
den Drähten der Stromleitung verfängt? Wenn ihr Mann auf einmal einen anderen Flieger fliegt und sich wundert warum sein Modell nicht mehr reagiert? Wenn er vergißt das die Antenne ein Gewinde hat?
Wenn der Motor des Modells in der Luft versagt? Wenn der Flieger in ein Funkloch gerät? Wenn sich in der Luft auf einmal eine Fläche selbständig macht? Wenn der Mais zu hoch oder die Bäume einfach zu nah
sind?
Kurz und gut, wie reagiert sie wenn sein Flugmodell abstürzt?
Hier ist jede Fliegerfrau auf ihre eigene Art gefragt um den Erbauer zu trösten. Es wird von männlichen
Essensverweigerungen und Weinanfällen berichtet. Ich denke es ist nicht nötig hier auf die Probleme jeder Fliegerfrau im Einzelnen einzugehen.
Auch liest die Fliegerfrau die FMT, MFI und den
"Modellflieger" bevor ihr Mann es tut. In der Regel bekommt sie die ganze Zeitung von ihm vorgelesen, aber bekanntlich versteht man diese schwierigen Artikel immer besser je öfter man sie liest.
Ein Gerücht ist allerdings die Behauptung, daß manche Fliegerfrauen die Zeitschriften auswendig lernen.
Echte Fliegerfrauen schenken ihrem Mann ein Bild seines Lieblingsfliegers fürs
Portemonnaie und zu Weihnachten einen Gutschein von "Klinger". Plätzchen werden nur noch in Form von Modellflugzeugen oder Hubschraubern gebacken und am Weihnachtsbaum hängen kleine, goldene
Flugzeuge, Piloten und Fernsteuerungen. Die Bettwäsche ist mit Flugzeugen bestückt und auf der Heckscheibe ihres Autos prankt ein Aufkleber des Mo- dellflugclubs. Sie strickt ihrem Mann Pullover mit
dem Emblem des Flugvereins und kauft nur Krawatten mit Flugzeugmotiven.
Ich habe von Fliegerfrauen gehört, die ihren Mann und sämtliche seiner Flugkollegen mit Fingerhandschuhen bestrickten bei
denen der Daumen und der Zeigefinger fehlte, den nur so kann man auch bei Minusgraden die Fernsteuerung bedienen.
So, sollte es jetzt noch Frauen hier im Saal geben, die immer noch zweifeln und
sich nicht angesprochen fühlen, möchte ich Euch nur eins sagen: Echte Fliegerfrauen, die gehen mit ihrem Mann zur Weihnachtsfeier des Modellflugclubs.
In diesem Sinne, möchte ich allen
Leidensgenossinnen und ihren fliegenden Männern schöne Weihnachten wünschen.
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